Karies

Zahncreme ohne Mikroplastik

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) definiert Mikroplastik als Kunststoffpartikel in einer Größenordnung zwischen 0,1 Mikrometern und 5 Millimetern. Es handelt sich dabei feste, unlösliche, nicht biologisch abbaubare synthetische Polymere. In der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie wird Mikroplastik teilweise als Peelingpartikel und farb-, geruchs-, und geschmacksneutrales und zudem kostengünstiges Binde- und Füllmittel in Duschgels, Shampoos, Cremes und dekorativer Kosmetik verwendet. In Zahnpasta können Mikrokunststoffpartikel als Abrasionskörperchen eingesetzt werden, um eine besonders schonende Entfernung von Zahnbelag zu gewährleisten.

Gesundheits- und Umweltrisiken von Mikroplastik

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bewertet das gesundheitliche Risiko eines unbeabsichtigten Verschluckens von Mikrokunststoffpartikeln (Mikroplastik) aus Zahnpasten nach jetzigem Kenntnisstand als unwahrscheinlich, da die in einigen Zahnpasten verwendeten Mikrokunststoffpartikel aufgrund ihrer Größe, wenn überhaupt nur in geringen Mengen über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Dass sich im Verdauungstrakt gesundheitlich relevante Mengen an Ethylen aus den Polyethylen-Mikrokunststoffpartikeln freisetzen, wird laut BfR ebenfalls als unwahrscheinlich eingestuft. Dennoch sind die winzigen Plastikpartikel, falls sie in Zahnpasten eingesetzt werden, nicht ganz so unproblematisch, denn ein Teil der beigemengten Polyethylene (PE), Polypropylene (PP) oder Ethylen-Vinylacetat-Copolymere (EVA) gelangt nach dem Ausspucken und Ausspülen vom Waschbecken aus über die Klärwerke (für deren Filteranlagen sie zu klein sind) und andere Umwege in Flüsse, Gewässer und Meere, ins Trinkwasser, in die Luft, in Lebensmittel und den Nahrungskreislauf von Speisefischen und Nutztieren – und so gegebenenfalls wieder auf unserem Teller. Damit sind sie ein indirektes Gesundheitsrisiko für den Menschen. Denn einige Forscher vertreten die Meinung, dass Plastik oftmals in der Umwelt wie ein lipophiler „Magnet“ für Schadstoffe (Schwermetalle, Weichmacher, Insektizide und andere krebserregende Substanzen) wirke. Fressen Tiere diese Mikroplastikpartikel, nehmen sie damit auch die Schadstoffe auf.

Die meisten Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar und da nicht alle Umweltauswirkungen der Kunststoffe bekannt sind und ein nachträgliches Entfernen aus der Umwelt nicht möglich ist, besteht Einigkeit darüber, dass gemäß dem Vorsorgeprinzip verhindert werden muss, dass Kunststoffe in die Umwelt gelangen. Aus diesem Grund empfahl auch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) der EU-Kommission 2019, die langlebigen Kunststoffpartikel in der EU zu verbieten.

Mikroplastik in der Zahnpasta

Laut einer Umfrage des Europäischen Kosmetikverbands Cosmetics Europe hat sich die Menge verwendeter Mikrokunststoffpartikel in der Kosmetikbranche zwischen den Jahren 2012 und 2017 bereits um 97 % reduziert. Der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel gab an, dass feste Kunststoffpartikel seit 2014 sogar überhaupt nicht mehr in Zahnpasten eingesetzt werden. Die Umweltschutzorganisation BUND, die eine Liste mit kunststoffhaltigen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten veröffentlicht, vermeldete, dass bereits Ende 2014 eine ganze Kategorie aus ihrem Mikroplastik-Einkaufsratgeber gestrichen werden konnte, da Zahnpasta in Deutschland mikroplastikfrei war.

Colgate Palmolive hatte den Ausstieg sogar schon früher vollzogen und reagierte dem BUND gegenüber: „Wir verstehen das Anliegen und haben daher bereits in 2012 entschieden, nicht länger Mikroplastik zu verwenden und so bald wie möglich alternative Inhaltstoffe für unsere Produkte zu finden." Die Produktion von Zahnpasten mit Mikroplastik für den europäischen Markt wurde Ende 2013 gestoppt.

Alternative Inhaltsstoffe, die bei der mechanischen Entfernung von bakterieller Plaque, Zahnverfärbungen und Essensrückständen helfen können, ohne den Zahnschmelz und/oder die Umwelt zu schädigen, lassen sich beispielsweise aus Buchenholz, Hafer, Weizen oder Mais gewinnen, wie das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS erforschte. Diese Cellulosepartikel besitzen eine sanfte Abrasionswirkung und sind vollständig biologisch abbaubar.

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